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  • Zoogespräch: Vortrag „Der Meta-Affe. Von Affen, die wissen, und Menschen, die wissen, dass sie wissen" von Dr. Daniel Hanus (Leipzig) am 16.01.2018, 18:00 Uhr im Zoologischen Garten Wuppertal
    Der Vortrag findet im Rahmen der "Wuppertaler Zoogespräche" statt. Alle weiteren...[mehr]
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    Dr. Radin Dardashti wird ab WS 2017/18 neuer Juniorprofessor mit dem Schwerpunkt Philosophie der...[mehr]
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  • Neues Studienangebot ab WS 2016/17: Kombinatorischer Masterstudiengang "Geistes- und Kulturwissenschaften" (2-Fach-Master)
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Wissenschaftsphilosophie

Wissenschaftsphilosophie stellt Strukturbestimmungen und Geltungsbedingungen von wissenschaftlichen Theorien fest, analysiert Methoden und Praktiken der Wissenschaft und diskutiert wissenschaftliche Erkenntnisse im Hinblick auf ihre Konsequenzen für das Wirklichkeitsverständnis. Anders formuliert, möchte die Wissenschaftsphilosophie vor allem die Fragen „Was ist Wissenschaft?“, „Was zeichnet die Geltung ihrer Aussagen aus?“ und „Was bedeuten ihre Erkenntnisse für das Bild von Mensch und Welt?“ aus systematischer Perspektive beantworten.

 

Daß Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Fragen nicht selbst beantworten können, liegt hauptsächlich an der Aufteilung der Wissenschaft in viele Disziplinen. Die Wissenschaftsphilosophie möchte - vor allem in formaler und inhaltlicher, weniger in historischer oder soziologischer Hinsicht - nicht nur die Kennzeichen der Theorien, Methoden und Praktiken einzelner Disziplinen herausfinden, sondern auch ihre Differenzen und Gemeinsamkeiten ermitteln. Was ist es eigentlich, das eine Erkenntnis zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis macht? Damit ist das Problem der Einheit der Wissenschaft und ihrer Grenzen aufgeworfen. Wie weit reicht der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Disziplinen? Zu den zentralen Aspekten dieses Themas gehört das Spannungsfeld, das von den Natur- und Ingenieurwissenschaften auf der einen und von den Geistes- und Kulturwissenschaften auf der anderen Seite gebildet wird. Schließlich müssen aber auch, um die Grenzen der Wissenschaft besser verstehen zu können, die Merkmale von nichtwissenschaftlichen Erkenntnisweisen bestimmt werden. Als bedeutendste dieser Erkenntnisweisen kann das lebensweltliche Wissen angenommen werden, das sich auf direkte Wahrnehmungen und unprofessionelle Handlungen in vertrauten Sozialräumen stützt. Mit der Thematisierung des lebensweltlichen Wissens berührt sich die Wissenschaftsphilosophie mit der philosophischen Phänomenologie

In den modernen Gesellschaften kommt der Wissenschaft ein zunehmender Einfluß zu. In immer mehr Bereichen wenden Menschen wissenschaftliche Erkenntnisse an bzw. sind sie mit ihren Anwendungen konfrontiert. Auch die Entstehung, die Verbreitung und der Gebrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse werden von der Wissenschaftsphilosophie untersucht. Sie verfolgt nicht nur einen deskriptiven, sondern auch einen normativen Anspruch. Sie möchte nicht nur beschreiben, was in ihrem Gegenstandsbereich der Fall ist, sondern auch beurteilen, ob das faktisch Gegebene gut oder schlecht ist. Deshalb beansprucht sie, kritische Instanz zu sein. Ihre Resultate können für die Arbeit in der Wissenschaft und für den Umgang mit ihr Relevanz haben. 

Bei der Diskussion der naturwissenschaftlichen Aussagen im Hinblick auf ihre Konsequenzen für das Wirklichkeitsverständnis berührt sich die Wissenschaftsphilosophie mit der Naturphilosophie. Hierbei geht es etwa um die Bedeutung des naturwissenschaftlichen Wissens für die philosophischen Grundbegriffe des Raums, der Zeit, der Materie und des Lebens. Oder um die Veränderung des Selbstverständnisses des Menschen vor dem Hintergrund des Wissens der heutigen Kosmologie oder Biologie. Anders als die Wissenschaftsphilosophie thematisiert die Naturphilosophie allerdings auch explizit nichtwissenschaftliche Auffassungen (zu den Aufgaben der Naturphilosophie vgl. Artikel "Naturphilosophie", zs. mit Michael Heidelberger, in: H. J. Sandkühler (Hg.): "Enzyklopädie der Philosophie". Hamburg : Meiner 1999.). 

Da die Wissenschaftsphilosophie die Theorien, Methoden und Praktiken verschiedener Disziplinen zum Gegenstand hat, nimmt ihre Arbeit oft interdisziplinäre Gestalt an. An der Bergischen Universität besteht zudem zu anderen wissenschaftsreflexiven Disziplinen (Wissenschafts- und Mathematikgeschichte) eine enge Zusammenarbeit im „Interdisziplinären Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung“ (IZWT). Ein Schwerpunkt bildet hierbei die Untersuchung der datenabhängigen Theoriebildung in den physikalischen und technischen Wissenschaften.

Im Bachelorstudium der Philosophie wird Wissenschaftsphilosophie in Form von Vorlesungen und Seminaren in den Modulen PH I (Einführung in die Philosophie), PH II (Logik, Sprachphilosophie, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie), PH VI (Theoretische Philosophie II: Natur und Geschichte) und PH X (Philosophie der Wissenschaften und der Technik) angeboten. Teil der wissenschaftsphilosophischen Veranstaltungen ist der Logikkurs. Das Masterstudium der Philosophie hat an der Bergischen Universität den Schwerpunkt Metaphysik und Phänomenologie. Die Veranstaltungen im Aufbaumodul PHI IV des Masterstudiums (Phänomenologie, Metaphysik und Wissenschaftstheorie) befassen sich mit den metaphysischen Prinzipien und den phänomenologischen Begründungen der Wissenschaft sowie mit den zwischen ihnen bestehenden vielschichtigen - sich teils ergänzenden, teils widersprechenden - Beziehungen.

Zur Einführung in die Wissenschaftsphilosophie gibt es viele gute Bücher. Von den deutschsprachigen sind unter anderem empfehlenswert:

A. Bartels und M. Stöckler (Hg.): Wissenschaftstheorie. Ein Studienbuch. Mentis: Paderborn 2007.

M. Carrier: Wissenschaftstheorie. Hamburg: Junius 2006.

A.F.Chalmers: Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie. Berlin u.a.: Springer 2001.

Ian Hacking: Einführung in die Philosophie der Wissenschaften. Stuttgart: Reclam 1996.

H. Poser: Wissenschaftstheorie: Eine philosophische Einführung. Stuttgart: Reclam 2001.